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Mehrfamilienhäuser · 10 Min. Lesezeit

Mehrfamilienhaus verkaufen in der Schweiz: Bewertung, Ablauf & Tipps

Ertragswertmethode, Käuferzielgruppen und optimale Verkaufsstrategie für Mehrfamilienhäuser in der Schweiz.

Sajeevan Satkunam

Sajeevan Satkunam · Eidg. Dipl. Immobilienbewerter

Verfasst und fachlich geprüft · Aktualisiert am 15. April 2026

Die Ertragswertmethode im Detail

Anders als beim Einfamilienhaus steht beim Mehrfamilienhaus der nachhaltige Ertrag im Vordergrund. Die Bewertung erfolgt über die Kapitalisierung der Nettomieteinnahmen. Formel: Nettomieteinnahmen geteilt durch Kapitalisierungssatz ergibt den Ertragswert. Ein gut gemietetes MFH in Liebefeld mit CHF 80’000 Nettomieteinnahmen und einem Kapitalisierungssatz von 4 % ergibt beispielsweise einen Ertragswert von CHF 2 Millionen.

Die richtige Käuferzielgruppe ansprechen

Mehrfamilienhäuser werden überwiegend von professionellen Investoren gekauft. Die Vermarktung muss entsprechend fachlich, datenbasiert und diskret erfolgen – ein professionelles Verkaufsdossier mit Mieterspiegel, Sanierungshistorie und Renditeberechnung ist Pflicht.

Off-Market vs. öffentliche Vermarktung

Viele MFH-Transaktionen werden Off-Market abgewickelt – über etablierte Investoren-Netzwerke, ohne Online-Inserat. Vorteile: maximale Diskretion und gezielte Käuferansprache. Nachteil: kleinerer Käuferpool. Die optimale Strategie hängt vom Objekt und Verkäuferziel ab.

Der Mieterspiegel entscheidet mit

Professionelle Käufer prüfen als Erstes den Mieterspiegel: Verteilung der Mieten, Laufzeiten, Klumpenrisiken durch Grossmieter, Leerstandshistorie. Liegen einzelne Mieten über dem marktüblichen Niveau, werden sie nicht kapitalisiert — bei einem Referenzzinssatz von 1.25 % liegt die zulässige Nettorendite bei maximal 3.25 % nach Artikel 269a OR. Ein sauber aufbereiteter Mieterspiegel beschleunigt den Prozess erheblich.

Unterlagen vor der Vermarktung

Benötigt werden Grundbuchauszug mit Dienstbarkeiten, Mieterspiegel, Nebenkostenabrechnungen mehrerer Jahre, Baupläne, Gebäudeversicherungsnachweis, Nachweise zu Unterhalt und Sanierungen sowie Angaben zum energetischen Zustand. Wer diese Unterlagen erst auf Nachfrage besorgt, verliert Wochen — und Interessenten, die parallel andere Objekte prüfen.

Die Finanzierung der Käuferschaft

Ein Verkauf scheitert selten am Preis und häufig an der Finanzierung. Banken verlangen bei Renditeobjekten 25 bis 30 % Eigenmittel, rechnen die Tragbarkeit auf Objektebene und amortisieren auf zwei Drittel des Verkehrswerts innert zehn Jahren. Eine Vorprüfung der Finanzierungsfähigkeit erspart abgebrochene Verhandlungen kurz vor dem Notartermin.

Steuern in die Nettorechnung

Auf dem Gewinn fällt die Grundstückgewinnsteuer an, im Kanton Bern mit einer Besitzdauer-Reduktion von 2 % pro Jahr ab dem fünften Jahr bis maximal 70 % nach 35 Jahren. Bei lange gehaltenen Renditeobjekten macht das im Ergebnis oft einen sechsstelligen Unterschied. Läuft eine Festhypothek, gehört zusätzlich die Vorfälligkeitsentschädigung in die Rechnung.

Was das für Bern-Mittelland bedeutet

Im Kanton Bern sind die Preise für Wohneigentum über die letzten zwölf Monate um rund 2.8 bis 2.9 % gestiegen (RealAdvisor, Stand August 2026). Innerhalb der Region ist die Spannweite gross: In der Stadt Bern werden Eigentumswohnungen in Zentrumslagen über 10’200 CHF/m² gehandelt, in Köniz um 7’900, in ländlicheren Gemeinden des Kiesentals oder Gürbetals deutlich darunter. Eine schweizweite Faustregel führt deshalb regelmässig in die Irre — massgebend ist immer die konkrete Lage.

Renditeobjekte in der Region

Marktüblich sind in Bern-Mittelland Bruttorenditen von rund 5 bis 6 % bei reinen Anlageobjekten, 4 bis 5 % bei Wohn- und Geschäftshäusern und 3 bis 4 % in Premiumlagen. Entscheidend ist die mietrechtliche Leitplanke: Bei einem Referenzzinssatz von 1.25 % liegt die zulässige Nettorendite bei maximal 3.25 % (Art. 269a OR). Renditeangaben, die auf überhöhten Sollmieten beruhen, halten einer Prüfung nicht stand — und werden auch von finanzierenden Banken nicht mitgetragen. Das Worblental gehört zu den Regionen mit dem höchsten Bestand an Renditeobjekten rund um Bern.

So gehen wir in Bern-Mittelland vor

In der Praxis beginnt jedes Mandat mit einer lagegenauen Einschätzung statt einer Pauschalzahl: Wir schauen auf die konkrete Gemeinde, das Quartier, den Objekttyp und den baulichen Zustand und vergleichen mit realen Transaktionen aus der Region. Erst danach besprechen wir die Strategie — beim Verkauf etwa die Frage, ob offen oder diskret über unser Off-Market-Netzwerk vermarktet wird, bei der Finanzierung den Vergleich über mehr als 25 Banken- und Versicherungspartner. Betreut werden Sie dabei direkt durch die Geschäftsführung, nicht durch wechselnde Ansprechpersonen. Wir arbeiten in Köniz, Liebefeld, Bern, Ostermundigen, Ittigen, Muri, Belp, Worb, Münsingen und über dreissig weiteren Gemeinden der Region — mit eigenen Marktdaten für jede davon. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Datengrundlage und Methodik

Die genannten Kennzahlen stützen sich auf öffentlich überprüfbare Quellen: Leitzins und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank, den hypothekarischen Referenzzinssatz des Bundesamts für Wohnungswesen, die kantonalen Bestimmungen zu Grundstückgewinn- und Handänderungssteuer sowie Transaktions- und Angebotsdaten spezialisierter Marktdatenanbieter für den Raum Bern. Wo eine Zahl geschätzt ist, weisen wir sie als Schätzung aus, statt eine Genauigkeit vorzutäuschen, welche die Datenlage nicht hergibt. Marktdaten veralten: Massgebend ist der angegebene Stand, und vor einer Transaktion prüfen wir die Zahlen für Ihr konkretes Objekt neu. Dieser Beitrag vermittelt Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

— Häufige Fragen

Antworten zum Thema.

Mehrfamilienhäuser werden primär nach der Ertragswertmethode bewertet: Nettomieteinnahmen werden mit einem Kapitalisierungssatz multipliziert. Ergänzend wird auch der Sachwert (Bodenwert plus Bauwert minus Altersentwertung) berechnet.
In der Region Bern liegen die Bruttorenditen für MFH zwischen 3.5 % und 5.5 %. Lagen wie Köniz oder Liebefeld erzielen aufgrund hoher Nachfrage tendenziell tiefere Renditen, dafür höhere Wertstabilität und Liquidität.
Hauptsächlich private Investoren, Family Offices, Pensionskassen und institutionelle Anleger. Die Ansprache muss entsprechend zielgruppengerecht und diskret erfolgen – reine Online-Inserate reichen nicht aus.

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